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St. Martinskirche

Adresse

Hauptraße 28
31592 31592 Stolzenau Ortsteil Nendorf
E-Mail: jens.mahlmann@evlka.de
Website: http://www.nendorf.de/kirche/

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Weitere Informationen

Wer das Mauerwerk der Nendorfer Kirche aufmerksam betrachtet, stößt auf deutliche Spuren einer bewegten Baugeschichte. Sie führen zurück zu den Verwandlungen des Gebäudes. Verstreute Reste eines Putzes legen allerdings nahe, eine solche Reise in die Vergangenheit sei nicht immer erwünscht gewesen. Seit dem Jahre 1788 bedeckte er die gesamte Oberfläche, verdeckte die Eingriffe eines umfassenden Umbaus und versteckte die Geschichte des Gebäudes.

Die Substanz der Kirche geht zurück auf eine Klostergründung um das Jahr 1200. Der örtliche Priester Simon erwirkte bei Bischof Thetmar in Minden die Bestätigung eines kleinen Nonnenklosters. Dessen Kreuzgang ist auf der Nordseite der Kirche zu suchen. Vermauerte Türbögen, die in den Wänden des Turmes oder im Boden des Friedhofes verschwinden, und Fensterabbrüche an der Oberkante der Seitenwände lassen erahnen, wie fremd Nendorfs Nonnen ihre Kirche heute vorkäme.

Das Kloster wurde in der Reformation 1542 aufgelöst. Seine Gebäude verschwanden in den folgenden Jahrzehnten. Nur die Kirche blieb, drohte aber in den 1780er Jahren einzustürzen. Dieser Gefahr zu wehren, trug man ihre schwere Gewölbedecke ab. Die Wände erniedrigte man und besserte sie aus. Die kleinen mittelalterlichen Fenster ersetzte man durch große, die zeitgemäß das Licht der Aufklärung hereinströmen ließen. Mit den abgetragenen Steinen baute man im Westen den mächtigen Glockenturm an und im Osten den dreiseitigen Chorraum, um der Gemeinde Platz für die Abendmahlsfeier zu schaffen. Eine Inschrift hoch oben an der Ostseite kündet von dem Umbau. Dessen Spuren aber verschwanden unter Putz.

In der Folgezeit passte sich der wechselnde Zeitgeschmack den Innenraum mehrfach an. Unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges schließlich entstanden die beiden Buntglasfenster. Als Ersatz für einen wurmstichigen Vorgänger zog 1965 der jetzige Kanzelaltar ein. Die Hammer-Orgel wurde 1975/78 in das vorhandene Gehäuse eingebaut.

Durch 200 Jahre hindurch hatte sich inzwischen der Putz fast vollständig wieder verflüchtigt. Die Sanierungen des Chores in 2008 und des übrigen Mauerwerks in 2018/19 haben bewusst darauf verzichtet, ihn zu erneuern. Seine Reste reihen sich nun ein unter die Spuren aus 800 Jahren, die er einst zu verdecken suchte.

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